An die Bäume

Photo: Roberto May

Photo: Roberto May

Heinrich Heine 1797-1856

Ein Fichtenbaum steht einsam
Im Norden auf kahler Höh’.
Ihn schläfert; mit weisser Decke
Umhüllen ihn Eis und Schnee.

Er träumt von einer Palme,
Die fern im Morgenland
Einsam und schweigend trauert
Auf brennender Felsenwand.

*

AN DIE BÄUME
Ricarda Huch 1864-1947

Ihr, die Verwandelten,
einst ein Geschlecht von Göttern,
Ehrwürdige Bäume,
Liebt ihr mich wie ich euch?
Achtet ihr mein, der Kurzlebenden,
Sklavisch gebundenen?
Tief in die Erde gemauert,
steht euer Stamm wie ein Turm,
In versteinerten Schuppenpanzern
Unüberwindlich wie Behemoth.
Silbergerüstete Pappen heben
Auf zu den Wolken ihr schimmerndes Haupt.
Geisterhaft
Umhaucht die Ölweide Wohlgeruch,
Die uralt verkrümmte,
Und wie erstarrte Schlangen
Krallt sich der Eiche Geäst
Schicksalhaft: Schicksale, die jetzt fern,
Längst vergessen von euch,
Aber wie hehre Musik
Durch eure heiligen Wipfel rauschen.

Photo: Roberto May

English translations.