Zum 200. Geburtstag von Theodor Storm (1817-1888)

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THEODOR STORM.

Ein grünes Blatt

Ein Blatt aus sommerlichen Tagen,
Ich nahm es so im Wandern mit,
Auf daß es einst mir möge sagen,
Wie laut die Nachtigall geschlagen,
Wie grün der Wald, den ich durchschritt.

Mondlicht

Wie liegt im Mondenlicht
begraben nun die Welt;
Wie selig ist der Friede,
der sie umfangen hält.

Die Winde müssen schweigen,
so sanft ist dieser Schein;
sie säuseln nur und weben
und schlafen endlich ein.

Und was in Tagesgluten
zur Blüte nicht erwacht,
es öffnet seine Kelche
und duftet in die Nacht.

Wie bin ich solchen Friedens
seit langem nicht gewohnt.
Sei du in meinem Leben
der liebevolle Mond!

Theodor Storm